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Landesliegenschaften sollen möglichst auf Passivhaus-Niveau

Baden-Württemberg will Sanierung forcieren

10.11.2011, 09:59

Franz Untersteller bei seiner Rede beim Herbstforum Altbau
Landesumweltminister Franz Untersteller stellt Pläne zum Klimagesetz vor. © Zukunft Altbau

Eine Beschleunigung der Sanierung bei den Landesliegenschaften kündigte Umweltminister Franz Untersteller auf dem "Herbstforum Altbau" in Stuttgart an. Das Land wolle eine Vorbildfunktion übernehmen und in der Sanierung wenn möglich den Passivhaus-Standard erreichen. Betroffen sind 8.000 Liegenschaften in Besitz des Landes. Die Sanierungsrate dieser Gebäude solle in den nächsten Jahren 3 Prozent betragen, versprach der Minister.

Umweltminister Franz Untersteller © Zukunft AltbauIm nächsten Jahr will die grün-rote Landesregierung ein Klimaschutzgesetz auf den Weg bringen. Die Novelle des Erneuerbaren-Wärme-Gesetzes steht ebenfalls für 2012 auf der Agenda. Als sicher gilt die Einbeziehung von Nichtwohngebäuden, die Erhöhung des Pflichtanteils Erneuerbarer Energien bei der Wärmeerzeugung wird geprüft. Der Anteil liegt jetzt bei zehn Prozent, in der Debatte sind 15 Prozent. Außerdem sollen die Möglichkeiten erweitert werden, mit denen sich die Pflichten zum Umstieg auf Erneuerbare erfüllen lassen, kündigte der Minister (Bild rechts © Zukunft Altbau) an. Möglicherweise wird es auch Anreize durch eine langfristige Ankündigung weiterer nächster Schritte geben. Das soll Hausbesitzer motivieren, vor einer Verschärfung zu investieren.

Bundesweit setze er sich für eine vereinfachte Durchführung der EnEV mit der Novellierung der EnEV 2009 ein, so Untersteller. Das Fraunhofer-Institut IBP hatte Vorschläge für eine EnEV Easy gemacht. Ein Ausbleiben der Verschärfungen der Anforderungen für den Neubau wie derzeit angekündigt sei falsch, wenn man mittelfristig in Richtung Niedrigstenergiestandard wolle, im Bestand seien die derzeitigen Anforderungen aber ausreichend, sagte Untersteller.

Es komme darauf an, bei der Debatte um den Kimaschutz vom Ende her zu denken, von den Zielen, die bis 2050 zu erreichen seien, mahnte Felix Christian Matthes, Forschungskoordinator Energie- und Klimatechnik am Öko-Institut. Das habe nicht nur eine ökologische, sondern auch eine ökonomische und soziale Komponente: "Die Zeit der billigen Energie ist vorbei", mahnte er. Das gelte für Gas und Öl, aber auch Biomasse habe ein begrenztes Potential. Deshalb müsse die Reduzierung des Energieverbrauchs oberste Priorität haben.

Dazu sei eine Fortführung und Flexibilisierung der KfW-Förderung, steuerliche Absetzbarkeit sowie budgetunabhängige Finanzierung der Gebäudesanierung wichtig. Als Fehlentwicklung bezeichnete Stieß die Kannibalisierung der Solarthermie durch die Fotovoltaik. Durch die Konkurrenz um Dachflächen würden die Potentiale für die Wärmeerzeugung nicht ausreichend genutzt.

Ein Thema, das die rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung beschäftigte waren die Handlungsbarrieren, die einer Sanierung im Wege stehen. Immanuel Stieß vom Institut für sozialökologische Forschung stellte dazu eine Untersuchung vor, die sich mit dem Sanierungswillen von privaten Hausbesitzern beschäftigt hat. Ein spannendes Ergebnis: Viele Menschen wollen gegen Ende ihres Berufslebens in Energieeffizienz investieren. 40 Prozent der Befragten in der Altergsgruppe zwischen 60 und 70 gaben an, in den nächsten vier Jahren in die energetische Optimierung ihres Hauses investieren zu wollen.

Kosten- und Energieeinsparung waren zentrale Antriebsfedern. Insgesamt seien die Motive, sich für oder gegen eine Sanierung zu entscheiden, aber sehr unterschiedlich. Deshalb sei es notwendig, unterschiedliche Wege zu gehen. Einer könnte beispielsweise sein, mit dem Versand der Grundsteuerbescheide auch Basisinformationen zur Gebäudesanierung zu verschicken.

Auf ein weiteres Hemmnis verwies Ralf Schüle, Programmleiter Klimaschutz und Anpassung in der nachhaltigen Stadt- und Siedlungsentwicklung beim Wuppertal Institut. Er beschäftigte sich mit der Zukunft der Energieberatung. Das jetzige Angebot werde sowohl von potenziellen Zielgruppen als auch von den Beraterinnen und Beratern oftmals als sehr intransparent wahrgenommen. Bund, Länder und Kommunen betrieben derzeit auf mehreren Ebenen einen Komplettaufbau von eigenen und nur schwach koordinierten Maßnahmenpaketen und Beratungsangeboten. Dazu komme, dass es wenig Erfahrung mit "aufsuchender Beratung" gebe.

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

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