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Konzept soll die Belastung für die Bewohner verringern

ABG testet Lüftungskanäle in der Wärmedämmung

19.01.2016, 08:04

Lüftungskanäle im WDVS
Lüftungskanäle sind in die Dämmung geschnitten. © IBP / Pelkmann

Minimalinvasive Operationen bei Menschen sind schon lange üblich. Sie sind weniger belastend, die Wunden sind kleiner und heilen schneller. Das wird auch bei Sanierungsprojekten versucht. Minimalinvasive Konzepte zur Gebäudesanierung setzen auf Sanierung von außen, ziehen die Bewohnerinnen und Bewohner weniger in Mitleidenschaft und machen die Integration von Lüftung einfacher. Mit vorgefertigten Bauteilen für Lüftungssysteme, die sich in Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) integrieren lassen, erprobt ein Projekt unter Leitung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik diese Idee an zwei Viergeschossern der ABG in Frankfurt.

Bislang gibt es Erfahrungen mit Sanierung von außen vor allem mit vorgefertigten Holzelementen. Dabei kommen komplette, vorgefertigte Bauteile mit Dämmung, Fenstern und vorbereiteter Haustechnik auf die Baustelle, so genannte TES-Fassaden. Vor allem in Süddeutschland gibt es im Wohnungsbau einige in Wettbewerben ausgezeichnete Projekte, durchgesetzt hat sich das aber nicht. Das Konzept stoße auf Interesse und man sei dabei Machbarkeitsstudien zu erstellen, berichtet Anja Theßenvitz von der Rebuild Generalplanung, die für die Vermarktung zuständig ist.

In Beständen der Wohnungswirtschaft sind aber sowohl die hohen Anfangsinvestitionen im Vergleich zu einer Sanierung mit WDVS als auch neue Prozessschritte eine Hürde. Spannend könnte für die Wohnungswirtschaft ein neues Angebot sein, das eine Erfassung der Fassade durch Drohnen ermöglicht. Diese Erfassung ist für die Vorplanung notwendig und erfolgt bislang in der Regel mit Laserscans. Drohnen würden aber eine genauere Bestandsaufnahme liefern.

WDVS kommt mit fertigen Lüftungskanälen

In den Frankfurter Projekten war der Ansatz aber ein anderer: "Bei TES kommen großformatige Holzfassaden-Elemente zum Einsatz. Wir haben vorgefertigte Elemente auf Basis von WDVS entwickelt. Die lassen sich mit den gleichen Verarbeitungsschritten wie ein WDVS realisieren, enthalten aber Lüftungskanäle und können auch Heizungsleitungen aufnehmen", berichtet Katrin Schalk vom Fraunhofer IPB in Kassel, die für das Projekt veantwortlich ist.

Die Elemente sind kleiner als bei TES und umfassen nicht die komplette Fassade. Realisiert werden in die Dämmung integrierte Lüftungsleitungen und eine Versorgung mit Frischluft über fensterintegrierte Elemente.

Ursprünglich sollte die Vorfertigung weitergehen. Angedacht war der Einsatz einer von Fraunhofer-Instituten entwickelten Technikbox, die unter dem Fenster angebracht war. Sie kann Heizung und Lüftung aufnehmen und kommt mit Dämmstoffrand für WDVS oder Holzrahmenkonstruktion, der den Anschluss an die Fassade erleichtert. Vorfertigung sollte die Fehler bei der Ausführung der Anschlussdetails auf der Baustelle vermeiden. "Den Vorteil der Vorfertigung, den wir bei der ursprünglich in den Fensterrahmen integrierten Technikbox hatten, haben wir nicht. Da war die Skepsis des Bauherren gegenüber Elementen ohne allgemeine bauaufsichtliche Zulassung zu groß. Der finanzielle und zeitliche Aufwand für diese Zulassung ist aber im Rahmen eines solchen Projekts zu hoch", berichtet Schalk. Der Ansatz sei nun realistischer und an die Baupraxis angepasst.

Fenster sitzen in der Dämm-Ebene

Vorgefertigt ist die Verkleidung der Laibung im Inneren mit einer Verblendung, das vermindert die Montagezeit. Für die Fenstermontage kommen bestehende Systeme von Illbruck zum Einsatz, so dass die neuen Fenster in der Dämmebene angeordnet sind. Das wird bislang nur im Neubau gemacht und ist bei der Bestandsanierung nicht üblich. Das erlaubt es, im bewohnten Zustand zu sanieren.

Geplant war auch die Verwendung einer so genannten Fresh Air Wall (FAW) des IBP, einer Frischluftwand mit Heizungsleitungen und Lüftung in der Dämmung und von Dämm-Paneelen mit Heizung und Lüftung, die in Projekten des Fraunhofer ISE entstanden sind. Die haben aber keine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung. "Vorbehalte gab es aufgrund der derzeitigen Debatte um den Brandschutz gegenüber der Verwendung von EPS. So konnte das von uns entwickelte FAW gar nicht eingesetzt werden und das System des ISE wurde deshalb in Mineralwolle ausgeführt und mit Wickelfalzrohren versehen", so Schalk. Sie sei aber sicher, dass es auch mit EPS und entsprechenden Vorkehrungen zur Abschottung im Brandfall funktioniert hätte, betont die Forscherin.

Überzeugt hat die Bauherren der ABG weniger die Integration der kompletten Leitungen für Heizung und Lüftung als die Vorteile, Lüftungsrohre nicht in den Wohnungen unterbringen zu müssen. Realisiert wird deshalb erst einmal die Integration der Lüftung in die Dämmung. Es ist deutlich einfacher, Zu- und Abluftsysteme im Bestand nachzurüsten, wenn man die Zu- und Abluft über die Fassade führt. "Außerdem ist bei beiden Systemen die Wartung komplett von außen möglich da die Lüftungsgeräte auf dem Dachboden stehen", betont Schalk. von Pia Grund-Ludwig

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