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Klimagipfel Kopenhagen zeigt Potentiale der Baubranche auf

"80% weniger CO2 in Sanierung und Neubau möglich"

16.12.2009, 03:34

Nixe im Hafen von Kopenhagen
Kopenhagener Klimagipfel sieht hohes Potential in Gebäuden. Bild: Cornerstone/ Pixelio

Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen spielen auch Debatten um Dämmung, Heizung und Fotovoltaik eine Rolle. Welche Rolle sie bei der Abwehr der Klimakatastrophe spielen können, belegt ein brandneuer Bericht der Internationalen Energieagentur IEA, der beim Klimagipfel vorgestellt worden ist.

Die Internationale Energieagentur IEA hat darin Zahlen vorgelegt, nach der die Energie, die in Gebäuden für Heizung, Kühlung, Lüftung und Warmwassererzeugung genutzt wird, in kurzer Zeit um 80 Prozent reduziert werden könne. Zu den wichtigsten künftigen Entwicklungen, die die Effizienz sogar noch erhöhen, zählen die Forscher unter anderem intelligente Gebäudesteuerung.

Die Agentur hat auch die Ausgaben einzelner Länder für Forschung und Entwicklung im Bereich der Energieeffizienz in Gebäuden ermittelt. In Japan wird demnach in diesem Bereich mit Abstand am meisten geforscht mit einem Volumen von 139 Millionen US-Dollar jährlich, gefolgt von den USA (85,4 Millionen US-Dollar) und Italien mit 83,3 Millionen US-Dollar. Insgesamt, so die Autoren Tom Kerr und Diana Chiavara, fließen 452,8 Millionen Dollar jährlich an Forschungsgeldern weltweit in diesen Bereich.

Im Neubau haben sie unterschiedliche Faktoren ausgemacht, auf die sich Forschungsanstrengungen konzentrieren sollten. Dazu zählt eine bessere Kooperation zwischen Bauphysikern, Architekten und IT-Experten, um die Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Bereichen besser zu verstehen. Ein Element dazu könnte Data Mining sein. Bei diesem Verfahren aus der IT wird versucht, mit unterschiedlichen Methoden Muster in großen Datenbeständen zu erkennen. Auch eine Anpassung der Technologien an unterschiedliche Klimazonen halten die Forscher für nützlich.

Die Autoren haben jedoch nicht nur den Neubau, sondern auch Optionen für Bestandsgebäude untersucht. Dabei kamen sie zum Ergebnis, dass sowohl eine Qualitätskontrolle der Sanierung als auch eine Erhebung der realen Energieverbräuche vor und nach einer Sanierung helfen könnte, die Resultate zu verbessern.

"Energieeffiziente Gebäude sind die schnellste, billigste und wichtigste Lösung für unsere Klimaprobleme", argumentierte in Kopenhagen beim Klimagipfel auch der Direktor der Global Climate Initiative des WWF, Kim Carstensen. Zumindest in Bezug auf die Kosten sieht Lutz Freitag, Präsident des Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) dies deutlich anders. Eine Tonne COmit Maßnahmen der Gebäudeeffizienz zu beseitigen koste zirka 200 bis 300 Euro, hat er auf dem Kongress der Deutschen Energieagentur Dena "Zukunft Haus" in Berlin im Dezember 2009 vorgerechnet. Zertifikate seien da deutlich billiger zu haben.

Nicht nur die Energieagentur, auch die Branchenverbände aus unterschiedlichen Segmenten haben die hohe Aufmerksamkeit, die der Gipfel medial genießt genutzt, um auf die Potentiale ihrer Technologien hinzuweisen.

Fotovoltaik könne in der EU 12 Prozent des Strombedarfs bis zum Jahr 2020 decken. In den USA seien es durch eine Kombination aus Fotovoltaik und solarthermischen Kraftwerken sogar 15 Prozent. "Zusammen würden damit die CO2-Emissionen um jährlich fast eine Million Tonnen gesenkt", argumentieren die Industrieverbände European Photovoltaic Association (EPIA) aus Europa und Solar Energy Industries Assocation (SEIA) aus den USA. EPIA-Präsident Winfried Hoffmann rechnete vor, dass das Erreichen des 12-Prozentziels jährlich Einsparungen einer CO2-Menge erlaube, die den Emissionen Deutschlands aus dem Jahr 2006 entspreche.

Die Verbände haben einen Katalog entwickelt, der Maßnahmen zum Technologietransfer vorsieht sowie Verpflichtungen zur Finanzierung der technologischen Entwicklung.

Auf eine Modernisierung des Heizungsbestands setzt der Bundesindustrieverband Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH). Bis zum Jahr 2020 könnten die CO2-Emissionen im Gebäudebereich um mehr als ein Drittel gesenkt werden, dazu müsse aber das Tempo der Modernisierung des Heizungsbestands verdoppelt werden, sagte Klaus Jesse, Präsident des BDH anlässlich der Weltklimakonferenz. Er erhoffe sich hierzu von der Konferenz konkrete Ergebnisse, meinte Jesse.

Bei der CO2-Bilanz spielt die Einkoppelung erneuerbarer Energie eine entscheidende Rolle. Bei 45 Prozent der 2008 in Deutschland neu installierten Systeme wurden erneuerbare Energien verwendet, meint Lothar Breidenbach, technischer Leiter des BDH. Einem Hebel, der diesen Anteil weiter erhöhen soll, dem im Februar 2009 verabschiedeten Erneuerbare Energien Wärmegesetz, kann sein Verband jedoch wenig abgewinnen. Als Zwangsmaßnahme sei es kontraproduktiv, meint Breidenbach.

Eelco van Heel, Vorstandsvorsitzender des Dämmstoffspezialisten Rockwool, forderte weitere verbindliche Verpflichtungen in Richtung Null-Energie-Haus und Plus-Energiehaus. Das schaffe auch Arbeitsplätze und wirke damit der Krise entgegen, so van Heel: "Allein in Nordamerika und Europa könnten mehr als 1,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn Gebäude energieeffizient gebaut und umgerüstet würden". Dazu müsse die Politik allerdings weitere Anstöße geben.

In Europa gibt es diese Anstöße mit der neuen Gebäuderichtlinie bereits. Sie schreibt in Zukunft Bauweisen vor, die nahezu Nullenergiehäuser ermöglichen. Diese Richtlinie wurde 2009 verabschiedet. Damit sie greift, muss sie allerdings noch in nationales Recht umgesetzt werden. In Deutschland wäre dazu eine weitere Novellierung der gerade in Kraft getretenen EnEV 2009 notwendig. Dagegen gibt es heftige Widerstände, unter anderem von Seiten der Immobilienwirtschaft. In den USA sind entsprechende Konzepte im Energy Independence and Security Act festgehalten. Das Gesetz legt eine Netto-Null-Energiebilanz für neue Gebäude bis 2020 fest. pgl

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