Dämmstoffhersteller kämpfen um die geringste Dicke
Gladbeck/Tübingen. Seit Jahren hat sich auf dem Markt für Dämmstoffe nicht viel getan, Mineralwolle, Polystyrol-Extruderschaumstoffe, kurz XPS, Styropor und Polyurethan-Hartschaumstoffe dominieren. Doch nun kommt Bewegung in den Dämmstoffmarkt – vor allem bei den Produkten für die Dämmung von Fassaden. Vor wenigen Wochen erst hat Weber-Maxit innovative Vakuum-Isolationspaneele vorgestellt. Nun kündigt Rockwool für die zweite Jahreshälfte Produkte aus Aerowolle an, einem neu entwickelten Dämmstoff mit einer extrem niedrigen Wärmeleitfähigkeit.
Roland Gellert, Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Wärmeschutz München spricht von einer Milliwatt-Ralley. "Zwischen den Herstellern ist ein Kampf um die geringste Wärmeleitfähigkeit beziehungsweise die geringste Dicke der Dämmprodukte entbrannt", erläutert er. Hintergrund ist der lukrative Sanierungsmarkt.
Gellert zufolge beträgt die Wärmeleitfähigkeit der heute üblichen Dämmstoffe 30 bis 40 mW/(mK). "Das nächste Innovationsziel liegt bei etwa 18 mW/(mK)", sagt er. Erreichbar wäre dieses durch nanozelluläre Strukturen. "Ist die Zellgröße kleiner als die freie Weglänge der Luft, kann die Wärmeenergie nicht weitergegeben werden", stellt Gellert den Grund dafür anschaulich dar. Das ist auch der Trick beim Aerogel, einem Stoff, in den die Industrie große Erwartungen setzt.
Aerogel und Steinwolle finden zusammen
Im Guinnessbuch der Rekorde ist Aerogel als bester Isolator und leichtester Feststoff verzeichnet. Der Stoff besteht aus einem verzweigten, offenporigen Netzwerk winziger Strukturen. Allerdings ist Aerogel sehr porös und liegt daher meist in pulvriger Form vor. Hier liegt das Problem, das Rockwool nun gelöst haben will. "Es ist uns gelungen, ein Produktionsverfahren zu entwickeln, das Aerogel und Steinwolle miteinander verbindet", erklärt Marketing-Manager Frank Weigelt im Gespräch mit EnBauSa. Die Steinwolle binde das Aerogel in eine Struktur ein. "Das Ergebnis sind Dämmstoff-Platten, die über eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit verfügen und sich dennoch leicht verarbeiten lassen. Wie Steinwolle können sie vor Ort zugeschnitten und angepasst werden", so Weigelt. Doch mit 19 mW/(mK) ist die Wärmeleitfähigkeit deutlich geringer als die der Rockwool-Steinwolle, die laut Weigelt mit 33 mW/(mK) ausgereizt ist.
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